Possenmarathon

Zunächst einmal muss ich mich entschuldigen: fälschlicherweise habe ich behauptet, dass im Königreich hektische Betriebsamkeit vorgetäuscht würde, aber mittlerweile wird klar, dass diese offenbar tatsächlich betrieben wird. Das Ganze ähnelt jemandem, der im Sumpf oder Treibsand feststeckt und dann versucht, sich durch intensives Gestrampel, zu befreien und dabei natürlich immer tiefer im Morast der Lächerlichkeit versinkt, während aus voller Kehle ein atonales „Wir sinken nicht, Atlantis West wird nicht untergehen“ erklingt.

Nun hat sich Peter Fitzek, Beruf Staatsoberhaupt – seiner Meinung nach – gleichwertige Gegner vorgenommen und richtet die königlichen Schreiben an das Auswärtige Amt und das Amtsgericht Dessau. Beide Schreiben sind auf den 11.03.2013 datiert.

Der erste Brief an das Amt und Guido Westerwelle beinhaltet neben viel Gerede, das Ersuchen auf Vermittlung eines Schriftstücks an das Amtsgericht Dessau. Zunächst einmal wird Herr Westerwelle davon in Kenntnis gesetzt, dass man einen eigenen Staat gegründet hat, dessen Oberhaupt „seine Exzellenz“ Peter Fitzek ist.  Dabei weist man ausdrücklich daraufhin, dass auch der Phantasiestaat das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen, das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen, und last but not least (ganz im Gegenteil), auch das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr, in „gehöriger Form ratifiziert hat“. Na dann….

Neben der Bitte um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, ersucht man um die Vermittlung eines Schriftstücks an das Amtsgericht Dessau.

Das ganze Elend im Wortlaut ist hier zu finden.

Soweit ich informiert bin, beinhaltet die Fahrerlaubnis-Verordnung u.a. auch das Fahrerlaubnisrecht. Wer einen Führerschein erworben hat besitzt die geistigen und körperlichen Eigenschaften ein Fahrzeug zu führen. Bei nachweislicher Beeinträchtigung einer dieser Eigenschaften kann das Ding ganz einfach eingezogen werden. Man darf zwar am laufenden Band und mantramäßig „Chemtrails am Himmel“ vor sich hinmurmeln oder singen, ohne dass dies irgendwelche Auswirkungen auf den Besitz der Fahrerlaubnis hat, aber wenn man ein paar Mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung erwischt wird, dann ist man diese Fahrerlaubnis zunächst einmal los. Dass Peter da ausgerechnet auf eine europäische Regelung hinweist, wo doch in den Ländern rund um Deutschland ein Tempolimit herrscht und im Zuge einer europaweiten Standardisierung eigentlich auch verschärfte Strafen ausgesprochen werden müssten, das verstehe wer will. In Deutschland (und auch im Phantasiestaat, so scheint es zumindest) ist das mit dem Tempolimit allerdings so eine Sache. Schließlich ist das in der alles unterdrückenden Diktatur der BRD-GmbH die einzige Freiheit die man noch hat…

Ich erinnere an dieser Stelle an die großartige Dokumentation „Deckname Dennis“ und dem Teil, in dem Dennis Mascarenas Mitglieder der Autofahrer-Partei interviewt und für die Feststellung „Man könnte also sagen, die deutschen Autofahrer sind die neuen Juden“, rückhaltlose Zustimmung erntet.

In dem Schreiben an das Amtsgericht Dessau erheben seine Majestät Widerspruch gegen die Beschlagnahmung des BMWs und fordert ausserdem die einbehaltene Sicherheitsleistung von 800€ zurück.

Darüber hinaus stellt er unmissverständlich klar, dass man zukünftige Schreiben nur noch über das Auswärtige Amt zuzustellen hat.

Zur Begründung der o.g. Punkte führt er aus, dass er, als Staatsangehöriger des Königreichs Deutschland nicht der deutschen Gerichtsbarkeit unterliegt und überhaupt besteht kein dringender Tatverdacht, sodass ihm Sicherheitsleistung und Dienstkarosse wieder auszuhändigen sind.

Im weiteren Verlauf weist Peter Fitzek noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass weder er noch die anderen Bewohner der ehemaligen Klinik „Personal“ der Bundesrepublik Deutschland sind.

Als Beweis führt er die neudeutsche Staatsgruendungsurkunde, sowie die Verfassung seines Phantasielandes an.

Der darauf folgende Absatz bezieht sich auf die Gründung der „Erneuerten Vereinten Nationen“, die aber für diese Strafsache kaum von Belang sein dürften. Also für Menschen, die in  der Realtiaet leben, meine ich selbstverständlich.

Es folgen wiederum weitschweifige Ausführungen warum und wieso er (und der Fahrzeugführer) vollkommen zu Unrecht beschuldigt werden. Dabei bezieht sich seine Hoheit im Grunde immer wieder auf den Staat Neudeutschland und begründet damit, dass sich die BRD in diesem Falle nicht in ausländische Belange einzumischen habe. Schließlich hat er ja einen Führerschein printed in ND, der Peter.

Die Begründung, dass das Fahrzeug nicht Haftpflichtversichert gewesen sein soll, baut auf den gleichen Argumenten auf. Angereichert durch den üblichen Sermon, dass man ganz Deutschland friedlich zu reformieren gedenke.

Ich frage mich immer, was so etwas in einer Begründung zu suchen hat.

Vermutlich nichts, denn der Oberste Souverän stellt abschließend und überaus rechtskundig klar:

Nach alledem ist dem Antrag stattzugeben, den Beschuldigten die Sicherheitsleistung und Fahrzeug unverzüglich herauszugeben und das Verfahren einzustellen.

Hochachtungsvoll

Koenig Knall

Quelle: http://www.neudeutschland.org/index.php/auswaertiges-amt.html

Nun, einerseits mahlen die Mühlen des Gesetzes mitunter etwas langweilig und andererseits besteht die Möglichkeit, dass man das Staatsoberhaupt von „Neudeutschland“ nicht so ganz ernst genommen hat. In einem erneuten Schreiben vom 24.04.2013 dient sich seine Majestät, macht Peter Fitzek das Auswärtige Amt nochmals auf die Gründung des Klapserreiches (bekannt aus Presse und TV) hin und bittet erneut um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Ich bin da auch für. Erst einmal sollten seitens der BRD sämtliche Lieferungen an Strom, Wasser, Internetleitungen etc. unterbrochen werden, bis klar ist, ob es sich bei Neudeutschland um ein Luftschloss oder ein Phantasiegebilde handelt.

In einem gestrigen Blogeintrag des Freigeist-Forums-Tuebingen ueber Neudeutschland und den „Einmarsch einer 200 Man starken Truppe“ (Beschreinung auf Facebook)  verweist der Verfasser auf das vom Obersten Souverän eingestelltes Schriftstück (Niederschrift jener eine Sicherheitsleistung) und kommt zum dem Schluss, dass Neudeutschland quasi als Staat anerkannt sei, weil in diesem polizeilichen Schriftstueck bei der Berufsbezeichnung das Wort „Staatsoberhaupt“ eingefügt ist. Ihm scheint nicht aufgegangen zu sein, dass dort ebensogut Pausenclown oder Milchmaedchenrechner stehen könnte. Es hat mit der Sache an sich herzlich wenig zu tun. Wenn man schon so konsequent ist, sich unablässig auf einem schwer nachvollziehbaren Irrweg zu befinden, dann sollte sich dieser Mensch doch auch einmal die Frage stellen, wie es denn sein kann, dass Beamte, die für einen Staat ohne Souveränität arbeiten und somit selbst nicht handlungsfähig sind, indirekt einen anderen Staat, bzw. ein Staatsoberhaupt, anerkennen können.

Mit der Logik jedoch ist das ja immer so eine Sache…

Beim Niederrheiner meinte mal jemand in den Kommentaren, dass Peter auf einen Jagdschein hinarbeitet, um Narrenfreiheit zu genießen. Das glaube ich mittlerweile nicht mehr. Der Mann ist durch und durch Uberzeugungstaeter. Natuerlich ist er dadurch nicht davor geschuetzt diese Beglaubigung dennoch verliehen zu bekommen. Er wird das entsprechende PDF einstellen, das Auswaertige Amt anschreiben, darauf verweisen, dass dies alles fuer ihn sowieso keine Geltung besitzt und darum bitten den Einspruch gegen diese Diagnose an die entsprechende Nervenheilanstalt zu uebersenden. Im zweiten Absatz wird er dann nochmal um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bitten und die UN fuer aufgeloest erklaeren.

Das untenstehende Bild hat weder direkt etwas mit Neudeutschland, noch mit dem Aufbruch GRS zu tun und schon gar nicht mit einer eher unbekannten Person namens Karma Singh.

Ich finde es dennoch phantastisch:

Bild

(danke an Daniela B. fuer dieses Foto)

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3 Antworten zu Possenmarathon

  1. infogirelia schreibt:

    Das kommt mir sooo bekannt. http://www.youtube.com/watch?v=rLZNNCjUqr8

  2. Mr.Q schreibt:

    Klasse geschrieben!

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